Donnerstag, 27. November 2014

Von der Idee zum Strickdesign


Copyright des Kartenausschnittes: Landesarchiv Berlin

Ich habe bereits 2009 begonnen, Sockenanleitungen zu schreiben und auf Ravelry zu veröffentlichen. Zu Anfang habe ich sie als kostenlose Anleitungen angeboten, später kamen ein paar dazu, die ich zum Kaufen eingestellt habe. Ich habe auch für einige Accessoires wie Berets, Mitts, Legwarmer und zwei Charts, die entworfen und gestrickt hatte, aufgeschrieben und veröffentlicht, auch diese zumeist kostenlos.
Dann kam eine längere Pause bis sich bei unserem halbjährlichen Stricktreffen im Gutshaus Linstow im März 2014 eine neue Gelegenheit ergab. Meine  Freundinnen von Yarn over Berlin, Marion und Steffi, planten ein eBook im Rahmen des MFPP (Malabrigo Freelance Pattern Project) zu veröffentlichen. Darin sollten rote Tücher, Schals, Cowls,  Mützen – also alles, das man auf den Kopf setzen oder um den Hals wickeln kann, enthalten sein. Sie fragten mich, ob ich Interesse hätte, ein Design für diese eBook zu entwerfen. Jedes Design sollte im Zusammenhang mit einem Bezirk oder einem bekannten Ort in Berlin stehen, aus einem Malabrigo Garn  gestrickt  und Rot sein. 
Nach Hause zurückgekehrt, suchte ich nach alten Karten von Berlin und fand eine Karte aus dem Jahre 1888, die das Gebiet um den Potsdamer Platz zeigt. Ich erkannte, das dort 5 Straßen zusammenlaufen: Leipziger Straße, Stresemannstraße, Alte Potsdamer Straße, Bellevuestraße und Ebertstraße. Als die Linien dieser fünf Straßen im gleichen Abstand vom Mittelpunkt verband, erhielt ich ein Fünfeck.  Zu dieser Zeit wusste ich, dass ein Fünfeck das Hauptelement meines Designs wird. 
Ich nahm meine mathematische Formelsammlung, schlug die Geometrieseiten auf und konstruierte ein Fünfeck mit Bleistift und Zirkel auf Karopapier.  Dann verlängerte ich die Linie der Unterkante rechts und links und auch beiden Linien, die die Spitze des Fünfecks bilden, bis sie die horizontale Linie schnitten. Nun hatte ich ein Fünfeck in der Mitte, zwei Dreiecke rechts und links davon und auch die gesamte Form bildete ein Dreieck - Das war die perfekte Form für ein Tuch. Nach einigen Berechnungen erkannte ich, dass die Fläche der beiden Dreiecke und des Fünfecks fast identisch war.
Dann musste ich diese Informationen in einem Strickmuster umsetzen. Ich begann in der Mitte des Fünfecks, setzte fünf Markierer und nahm Maschen entlang dieser Markierer zu bis fast das  halbe Knäuel meines Garns verstrickt hatte. Ich strickte in einem 2-rechts-2-links-Muster, um ein reversibles Tuch zu erhalten. Dann kettete ich die Maschen an drei Seiten ab und strickte an den verbleibenden Seiten Dreiecke in Hin- und Rückreihen, die hübsche Rauten bildeten, und ich hatte nur 4 Fäden zu vernähen, tschakka – BERLIN MITTE war fertig!

Die Anleitung wurde in dem eBook Berlin – Wrapped in Red und als Einzelanleitung veröffentlicht.
Das eBook, das insgesamt 10 Anleitungen enthält, gibt es nur auf englisch und ist hier über Ravelry zu kaufen.
Meine Anleitung gibt es als auch als Einzelanleitung in deutsch und englisch und kann hier über Ravelry für 4€ gekauft werden.
Aber die Idee des Fünfecks blieb weiter in meinem Kopf. Im Herbst 2014 habe ich mich dann endlich daran gemacht, die Gedanken in Taten umzusetzen und weitere Designs zu entwerfen, diesmal aber aus dickerem Garn für kalte Tage. Doch davon mehr in den nächsten Tagen.

Kommentare:

  1. Sehr interessant und nett geschrieben allemale! Alte Karten haben immer eine gewisse Faszination für mich. Da ich das Tuchmuster ja testgestrickt habe, werde ich das gleich mal verlinken. Ein schönes Tuch, ich trage es wirklich gern.
    LG Moni

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  2. Als Stadtplan und Geometrie-Fan bin ich sehr begeistert von dem Tuch und der Geschichte dahinter. :-)

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